Hamburg. Das einzige Bundesland mit einem wachsenden Schulsystem ist Hamburg. Während der demografische Wandel überall zu sinkenden Schülerzahlen und in der Tendenz zum Abbau von Lehrerstellen führt, ist es in Hamburg genau umgekehrt.

Für das morgen beginnende neue Schuljahr rechnen die Schulplaner mit einem Zuwachs von 3500 auf dann 222.700 Jungen und Mädchen an den 394 staatlichen Schulen. Auch an den 95 privaten Schulen steigt die Schülerzahl leicht um 100 auf 19.300.

Wegen des Schülerzuwachses und kleinerer Klassengrößen schafft der Senat 311 zusätzliche Lehrerstellen (Gesamtzahl: 12 256) - 304 an allgemeinbildenden Schulen. Wegen der hohen Zahl von Lehrern, die pensioniert und ersetzt werden, kommen im Laufe des Jahres sogar insgesamt 1300 bis 1400 neue Lehrkräfte an die Schulen - das sind rund sieben Prozent. Die Folge: Das Durchschnittsalter der Schulpädagogen sinkt weiter: 2003 waren die Lehrer an staatlichen Schulen im Mittel noch 49,27 Jahre alt, im vergangenen Jahr nur noch 46,02.

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Schulsenator Ties Rabe (SPD) präsentierte zum Ende der Sommerferien weitere Neuerungen an den Schulen:

54 neue Ganztagsschulen nehmen ihre Arbeit auf. Allein 45 Standorte sind Grundschulen, von denen 39 mit einem Hort zusammen nach dem Modell "Ganztägige Betreuung an Schulen" (GBS) arbeiten. Fünf Stadtteilschulen und vier Förderschulen kommen hinzu, sodass sich die Gesamtzahl auf 159 Ganztagsschulen erhöht.

Probleme gibt es beim Ausbau der Ganztagsschulen : Immerhin 25 der 45 Grundschulen starten mit eigener Kantine. "In den anderen Fällen gibt es Provisorien: Da wird in der Aula, in der Pausenhalle oder auch im Klassenraum gegessen", sagte Rabe.

Erstmals seit 1997 öffnet ein neues Gymnasium seine Türen: Das Gymnasium Hoheluft in Eimsbüttel ist der 60. Standort dieser Schulform. Die Zahl der Stadtteilschulen erhöht sich um drei auf 57: Die Standorte liegen in Meiendorf, Rissen und auf der Veddel mit der Schule Slomanstieg. An der zum neuen Schuljahr geschaffenen beruflichen Oberschule (BOS, schon 115 Anmeldungen) können junge Menschen nach der Berufsausbildung die Fachhochschulreife oder das Abitur nachholen. In den nächsten Monaten werden die ersten Jugendberufsagenturen auf Bezirksebene ihre Arbeit aufnehmen. Sie sollen junge Menschen an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf beraten.

Das System sonderpädagogischer Förderung wird im Zuge des Elternrechts auf Inklusion (dt.: Einbeziehung) behinderter Kinder an Regelschulen vereinheitlicht: Grundschulen erhalten für vier Prozent eines Jahrgangs, Stadtteilschulen für acht Prozent eines Jahrgangs zusätzliche sonderpädagogische Förderung für Kinder mit Defiziten in den Bereichen Lernen, Sprache und emotionale Entwicklung.

Rabe bezeichnete den Schulbau als "gewaltige Herausforderung". Wie berichtet, will der Senat von 2013 bis 2019 zwei Milliarden Euro in Sanierung, Neu- und Umbauten von Schulen investieren. Trotzdem werden rund 10.000 Kinder vorübergehend in mehr als 400 Containern unterrichtet. Erstmals kauft der Senat die 67, zum Schulstart neu aufgestellten "mobilen Klassenräume" (Stückpreis: 190.000 Euro).