Hamburger Abendblatt
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Ärzte, Städtetag und Uni-Präsident für Primarschule
Öffentliche Zustimmung zur Schulreform in offenem Brief, bei Tagung und im Interview

In einem offenen Brief haben sich innerhalb nur eines Tages 40 Ärzte gegen den von Hamburger Chefärzten veröffentlichten "Aufruf der Hamburger Ärzteschaft gegen die Einführung der Primarschule" ausgesprochen. In dem Dokument mit dem Titel "Nicht in unserem Namen" heißt es: "Wir distanzieren uns von den 47 Ärzten und deren Veröffentlichung. Diese Gruppe gibt nicht die Meinung aller Hamburger Ärztinnen und Ärzte wieder." Statt der sozialen Verantwortung, die ihr Berufsethos mit sich bringe, sei von einer elitären Abgrenzung zu lesen. Dass längeres gemeinsames Lernen zu messbar besseren Ergebnissen führe, sei durch wissenschaftliche Studien bewiesen. "Wenn wir in der Medizin solches Handeln fordern, sollten die Reformgegner dies auch für die Erziehungswissenschaften gelten lassen", schreiben die Ärzte. Nicht der "Gesundheitsstandort Hamburg" sei in Gefahr - dem Bildungsstandort Hamburg hätten die 47 Kollegen mit ihrer reformfeindlichen Aktion einen schlechten Dienst erwiesen.

Auch der neue Uni-Präsident, Professor Dieter Lenzen, hat sich hinter die Reform gestellt. Zum Fernsehsender Hamburg 1 sagte er: "Es ist vollkommen eindeutig, dass längeres gemeinsames Lernen die Chancen für diejenigen, die im Prinzip in der Lage sind aufzusteigen, erhöht." Die demografische Entwicklung erlaube nicht, auf junge Menschen zu verzichten, die prinzipiell höher qualifiziert werden könnten. Zustimmung für längeres gemeinsames Lernen gab es auch vom Schulausschuss des Deutschen Städtetages. Das politisch neutrale Gremium der großen und kreisfreien Städte hatte auf einer Tagung in Hamburg die "pragmatische Beschäftigung" mit dem Thema Schulreform als "sehr bemerkenswert" gelobt. "Längeres gemeinsames Lernen, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit wird in vielen Bundesländern diskutiert. In Hamburg wird es engagiert angegangen", sagt Klaus Hebborn, Dezernent des Bildungsausschusses. "Hier ist im Unterschied zu allen anderen Bundesländern ein parteienübergreifender Kompromiss zur Reform gelungen."


Artikel erschienen am 08.05.2010
(fru, ced)

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