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MORD-SERIE DURCH NEONAZIS
Türkische Unternehmer in Angst vor Neonazi-Terror
Foto: Juliane Kmieciak
Sprecher verschiedener Verbände fordern lückenlose Aufklärung der Morde. Bruder des erschossenen Süleyman T. steht unter Schock.

Im Zuge der Aufdeckungen in der Mordserie durch Neonazis haben türkische Unternehmer in Hamburg Angst vor weiteren Terroranschlägen. Auf einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag wendeten sich einige von ihnen mit ihren Befürchtungen an die Öffentlichkeit. Der Verein „Unternehmer ohne Grenzen“ hatte zu dem Termin in die Schützenstraße in Bahrenfeld geladen. Doch derjenige, den die meisten Reporter heute vor allen Dingen erwartet hatten, kam nicht. Im Vorfeld war angekündigt worden, dass Osman T., der Bruder des vor zehn Jahren erschossenen Gemüsehändlers Süleyman., erscheinen würde. Kazim Abaci, Geschäftsführer von „Unternehmer ohne Grenzen e. V.“, entschuldigte dessen Fernbleiben. Osman stehe derzeit unter Schock. Sein behandelnder Arzt habe ihm angeraten, nicht zum Pressetermin zu erscheinen. Gerade erst war bekannt geworden, dass sein Bruder Opfer der rechtsradikalen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wurde.

+++Eine beispiellose Serie rechten Terrors+++

+++NSU: Eine Spur führt zum Verfassungsschutz+++

+++Ex-Verfassungsschützer wehrt sich und beschuldigt Polizei+++

Abaci zeigte sich über das Ausmaß des rechtsextremen Terrors durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) entsetzt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand soll die Organisation für die neun Morde an Unternehmern mit Migrationshintergrund zwischen 2000 und 2006 verantwortlich sein. „Wir Unternehmer haben Angst. Wir wissen schließlich nicht, mit wem die Mörder zusammengearbeitet haben und ob möglicherweise noch weitere Anschläge geplant sind“, sagte er und äußerte zugleich Zweifel an der Ermittlungsweise der Sicherheitsbehörden: „Die Täter sind schließlich nicht als Ergebnis der Ermittlungen entdeckt worden, sondern eher zufällig durch den Waffenfund bei einer Hausdurchsuchung.“

Abaci, der für die SPD in der Hamburger Bürgerschaft sitzt, fordert von den Sicherheitsbehörden und der Bundesregierung, dass „alle Beteiligten schnellstmöglich zur Verantwortung gezogen werden.“ Eine lückenlose Aufklärung der Morde sei nun das oberste Ziel. Seiner Meinung nach müsse auch geprüft werden, ob es Unterstützer von Neonazis in den Sicherheitsbehörden gebe. Sogenannte V-Leute, Verbindungspersonen, die als Informanten für Behörden oder Nachrichtendienste aus dem rechtsextremen Milieu berichten, sollten laut Abaci verboten werden. „Es kann nicht sein, dass durch die Bezahlung von V-Leuten Millionen in die rechtsextreme Szene fließen.“

Auf der Pressekonferenz sprachen neben Abaci auch der Hamburger Unternehmer Behcet Algan, Hüseyin Yilmaz (Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Hamburg) und jeweils eine Sprecherin von „Laut gegen Nazis“ und der „Initiative zum Gedenken an Ramazan Avci“ (ein in Hamburg lebender Türke, der 1985 von Jugendlichen aus der rechten Skinheadszene getötet wurde). Im Anschluss legten die Redner und einige türkische Unternehmer Rosen vor dem Eingang der ehemaligen Gemüsehandlung von Süleyman T. nieder. Heute ist an selber Stelle ein Fahrradgeschäft.

Gemeinsam kündigten die Veranstalter für diesen Sonnabend (19. November) einen Protestmarsch an, der vom Altonaer Bahnhof bis zur Schützenstraße führen soll. Genauere Informationen dazu sind bisher nicht bekannt. Eine offizielle Genehmigung der Veranstaltung stehe noch aus. (abendblatt.de)

Online-Dossier mit Videos und Hintergründen zur rechtsterroristischen Mordserie unter www.abendblatt.de/brauner-terror


Artikel erschienen am 16.11.2011
Juliane Kmieciak

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