
Viele Jahre galt die Adresse Peutestraße 24 auf der Veddel als Ort günstiger Lagermieten und eine Art Biotop für junge Unternehmen aus der Kreativbranche. Doch auf dem Gelände will die Hamburger Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) jetzt in ein neues Geschäftsfeld einsteigen und hat den historischen Backsteinkomplex dort gekauft. Gebäude sollen jetzt abgerissen werden, neue Logistikhallen gebaut und vermietet werden - doch dieser Plan stößt beim Hamburger Denkmalschutzamt auf heftige Bedenken: "Die Bauten bilden ein herausragendes und gut erhaltenes Zeugnis Hamburger Industriekultur", teilt das Amt auf Anfrage mit. Das Ensemble habe daher eine "hohe stadt- und sozialgeschichtliche" Bedeutung und gelte als Zeugnis der Arbeiterkultur im frühen 20. Jahrhundert. Tatsächlich waren die Gebäude der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG) einmal Zentrallager und Fabrik zugleich. Auf dem Gelände im heutigen Hafengebiet stellte die Genossenschaft seit Mitte der 1920er-Jahre Produkte wie Waschmittel her und versandte sie von dort an die zahlreichen Konsumläden in Hamburgs Arbeiterviertel.
+++ Zukunft statt Abriss: Denkmalschutz für Gängeviertel +++
+++ Brüssel saniert Hamburger Häuser +++
+++ Hotel Atlantic steht offiziell unter Denkmalschutz +++
Hinter vielen Lkw mit polnischen oder bulgarischen Kennzeichen, die hier an der Straße oft tagelang stehen, wirkt das Ensemble immer noch geschlossen und wuchtig. Filmproduktionen und Eventveranstalter nutzen die riesigen Räume als Lager. Im 5. Stockwerk des mittleren Gebäudes haben jüngere Freiberufler und Künstler jenseits der teuren Innenstadtlagen eine regelrechte Kreativ-Etage auf gut 800 Quadratmetern aufgebaut. Kernstück ist das Tonstudio Concord Audio, das neben großen Produktionen für Theater oder Popmusik Anlaufpunkt für viele junge Bands ist. "Das dürfte in dieser Qualität ziemlich einmalig sein", sagt Studiomitgründer Felix Siewert. Doch wie für die meisten der Mieter haben er und sein Mitstreiter zum 30. Juni dieses Jahres die Kündigung bekommen.
Für den Stadtplaner Rolf Kellner, der sich viel mit der Geschichte von Rothenburgsort und der Veddel beschäftigt, ein falscher Schritt. Die Fabrik sei eine ideale "Landmarke", sollte neben Lagerflächen auch Platz für junge, kreative Unternehmen bieten, die in Hamburg zunehmend Raumprobleme bekämen. "Irgendwann wandern solche Leute dann nach Berlin ab", sagt Kellner. Die HPA hat unterdessen mit dem Abriss der ersten Gebäude auf dem Areal begonnen. Das mittlere Fabrikgebäude soll aber wegen des Denkmalwerts nun doch erhalten bleiben, sagt HPA-Sprecher Alexander Schwertner. Über ein weiteres großes Backsteingebäude daneben werde indessen über einen Abriss mit dem Denkmalschutzamt noch "diskutiert", so Schwertner.
Der Erhalt des zentralen, mittleren Gebäudes ist allerdings kein Rettungssignal für die Mieter. "Dort ist eine umfangreiche Brandschutzsanierung notwendig, deshalb mussten wir kündigen", so der HPA-Sprecher. Doch für das Tonstudio gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer. HPA-Sprecher Schwertner: "Wir bemühen uns da um eine Lösung."
![]() | |
![]() | |
![]() |