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SCHWEINSKE-CUP IN HAMBURG
Gewalt-Exzess bei Fußball-Turnier: 46 Verletzte, 70 Festnahmen
Foto: WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos
Der Schweinske-Cup ist abgesagt. Nach der Randale zwischen Fußball-Fans des FC St. Pauli, VfL Lübeck und des Hamburger Sportvereins haben die Veranstalter in Absprache mit der Polizei die Konsequenzen gezogen. Sechs Menschen wurden schwer verletzt. 250 Polizisten waren im Einsatz.

"Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet. Das Turnier wird abgesagt", sagte Wolfgang Engelmann vom Organisations-Team des Schweinske-Cups auf der Pressekonferenz nach der erschreckenden Randale am Abend. Der Schock sitzt noch tief, Engelmann, der vom ersten Tag des Turnieres 1987 dabei ist, wirkte sichtlich schockiert. Das Organisationsteam habe in Rücksprache mit den Sicherheitskräften beschlossen, den Schweinske-Cup komplett abzusagen. Ob das traditionelle Fußball-Turnier jemals wieder stattfinden wird, ist fraglich.

Beim Gewalt-Exzess zwischen Fußball-Fans des FC St. Pauli, VfL Lübeck und des HSV sind mindestens 46 Menschen verletzt worden. Sechs Menschen kamen mit schweren Verletzungen, darunter ein Kieferbruch und ein Achillessehnenriss, in die umliegenden Krankenhäuser. Unter den Verletzten sind auch zwei Polizisten.

Bereits vor dem ersten Anpfiff gegen 18 Uhr lieferten sich einige Anhänger des Regionalligisten VfB Lübeck und des Hamburger Sportvereins auf der einen und Fans des FC St. Pauli auf der anderen Seite gewalttätige Auseinandersetzungen vor der Sporthalle Hamburg. Trotz massiven Polizeiaufgebots und Fantrennung setzte sich der Krawall in der Halle fort. Lübecker Randalierer stürmten während des zweiten Turnierspiels, Respect United gegen den dänischen Pokalsieger FC Nordsjaelland, zum St. Pauli-Block und rissen grölend eine Fahne des Fanclubs Ultra St. Pauli von der Brüstung. Die laufende Partie wurde auf Grund der folgenden Auseinandersetzungen in der ersten Halbzeit gleich zweimal unterbrochen. Die gewalttätigen Fans schleuderten Schokoladencreme-Gläser von den Crêpes-Ständen auf ihre Kontrahenten.

Die Polizei forderte Verstärkung an. Die ankommenden Beamten wurden schon vor der Halle von St. Pauli-Fans attackiert. Die Einsatzkräfte setzten daraufhin Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Die Randalierer richteten einen erheblichen Sachschaden an der Sporthalle Hamburg an. So wurden fast alle Scheiben des Eingangsbereich eingeschmissen.

Parallel verwüsteten St. Pauli-Fans laut mehreren übereinstimmenden Darstellungen von Mitarbeitern den Vip-Raum. "Ich wurde auf einmal gepackt und auf den Boden geworfen, danach weiß ich nichts mehr“, berichtet eine schockierte Mitarbeiterin. Nach der dritten Partie, dem 5:4 des FC St. Pauli gegen den SC Condor, wurden die ständig provozierenden 120 Lübecker Anhänger mit Bussen abtransportiert. Ein Teil der St. Pauli-Fans verließ aus Protest gegen den Pfefferspray-Einsatz der Polizei, ebenfalls die Halle. "Leider traf unser Einsatz auch Unschuldige. Das tut uns leid, aber wir waren auch mit massiver Gewalt konfrontiert.“, rechtfertigte Polizeieinsatzleiter Robert Golz das Vorgehen der insgesamt 250 Polizisten, die sich außerhalb der Halle nach dem Abtransport der Lübecker einer ebenso großen Zahl gewaltbereiter braun-weißer Anhänger gegenüber sahen. Für eine Weile war die Halle abgesperrt, die Bierstände schlossen, die Gänge waren gespenstisch leer.

Helmut Schulte, Sportchef des FC St. Pauli, sagte: "Ich bin geschockt. Das ist traurig." Und auch Condors Manager Marcel Müller, dessen Team sich Freitag als Turniersieger der Hamburger Hallenmeisterschaften der Amateure für den Schweinske-Cup zusammen mit Endspielgegner FC St. Pauli II qualifiziert hatte, sagte: "Es ist so unglaublich schade. Unsere Jungs haben sich so auf dieses Turnier gefreut. Und dann rennen schon beim Aufwärmen die Polizisten fünfmal durch die Reihen unserer Spieler, weil es Ausschreitungen gibt. Da vergeht einem der Spaß.“

Die Überlegungen der Turnierleitung, das Turnier abzubrechen, wurden zunächst verworfen, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Doch am Ende blieb den Veranstaltern nichts anderes übrig, auch weil viele Lübecker sich Karten für den Sonnabend organisiert hatten.

Fast völlig unter ging bei alledem das sportliche Geschehen, zum Beispiel das starke Abschneiden der beiden Amateurvertreter. Der FC St. Pauli II holte vier Punkte in seinen zwei Spielen, Condor drei Zähler.


Artikel erschienen am 07.01.2012
Mirko Schneider und Dennis Lemm

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