Hamburg. In Hamburg haben noch nie so viele Schüler Abitur gemacht wie im vergangenen Jahr. "50,6 Prozent der Hamburger Schülerinnen und Schüler des letzten Jahrgangs haben am Ende der Schulzeit das Abitur abgelegt", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag in der Hansestadt bei der Präsentation der Herbststatistik. Das habe es noch nie gegeben. Im Vorjahr lag die Quote nach Angaben der Schulbehörde bei 48,6 Prozent. Erneut gesunken sei zudem die Zahl der Schüler ohne Abschluss. Mit einem Rückgang um 0,7 Punkte auf 7,0 Prozent habe die Quote einen historischen Tiefstand erreicht, sagte Rabe. Kritisch bewertete der Senator jedoch den mit bis zu 8 Prozent relativ hohen Anteil an Wiederholern in den Oberstufen und den deutlichen Anstieg von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Insgesamt besuchten im vergangenen Schuljahr 240 640 Jungen und Mädchen eine Hamburger Schule. Das seien zwar 73 weniger als im Vorjahr. Das liege aber vor allem an dem Rückgang um fast 2100 Berufsschüler. Die Zahl der Jungen und Mädchen an den allgemeinen Schulen sei dagegen um gut 2000 gestiegen. Für Rabe steht damit fest: Anders als im Rest der Republik wachse in Hamburg perspektivisch die Zahl der Schüler. "Wir können uns darüber freuen: Es gibt mehr Schülerinnen und Schüler im allgemeinbildenden Schulsystem." Die Zahl der Lehrer lag Ende 2010 bei 16 412. Im Jahr zuvor gab es nach Angaben der Schulbehörde 15 873 Lehrer.

Kritisch sah Rabe den deutlichen Zuwachs bei den Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Er stieg etwa im Bereich Sprache um 11,7 Prozent, im Bereich emotionale und soziale Entwicklung um sogar 58 Prozent und im Bereich mehrfach förderbedürftiger Kinder um 34 Prozent. Insgesamt erhöhte sich damit die Zahl der förderbedürftigen Schüler um fast zehn Prozent auf knapp 9800 Jungen und Mädchen. "Das macht schon nachdenklich", sagte Rabe. Denn wenn sich innerhalb eines Jahres die Zahl derart erhöhe, sei dies schwer nachvollziehbar. Rabe geht davon aus, dass der Anstieg mit wachsenden Erziehungsproblemen zu tun hat, aber auch eine größere Bereitschaft bestehe, ein Verhalten als förderungswürdig einzustufen, welches früher noch als tolerabel angesehen wurde.

Die FDP-Opposition warf Rabe vor, die Probleme nur zu beschreiben, nicht aber zu lösen. "Schulsenator Rabe macht es sich zu leicht, wenn er das staatliche Schulsystem generell im Aufwind sieht, die im Detail erkannten Probleme aber nur beschreibt", erklärte die FDP-Schulexpertin Anna von Treuenfels. (dpa/abendblatt.de)