Hamburger Abendblatt
zur Light-Version»
HOMEHAMBURG|SPORT|MEHR »

Polizei-Offensive gegen Raser und Rotlichtfahrer
Verkehr: Großkontrollen in allen Hamburger Stadtteilen. Trauriger Rekord: Ein Autofahrer in Bergedorf war mit Tempo 99 doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt. Und die Ausreden werden immer dreister . . .

Die Hamburger Polizei intensiviert die Verfolgung von Verkehrssündern. Bei großangelegten Geschwindigkeitskontrollen in mehreren Stadtteilen haben in der Nacht zu Montag 17 Raser ihren Führerschein verloren. Ein Autofahrer in Bergedorf war mit Tempo 99 sogar doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt. "In den kommenden Wochen verstärken wir die Rotlicht- und Geschwindigkeitskontrollen in der ganzen Stadt", so Jörn Sucharski von der Verkehrsstaffel Mitte.

Im vergangenen Jahr gab es 57 680 Verkehrsunfälle in Hamburg, bei denen 48 Menschen ums Leben kamen. Bei 20 Todesfällen war überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache. Der ADAC begrüßt, daß die Polizei nicht nur die Geschwindigkeitskontrollen verschärft, sondern auch an Ampeln verstärkt kontrolliert. "Denn bei Unfällen nach Rotlichtverstößen kommt es zu den schwersten Personenschäden", sagt ADAC-Verkehrsexperte Carsten Willms.

Wenige Stunden nach der Geschwindigkeitskontrolle startet die Polizei am Montag eine weitere Schwerpunktkontrolle: Ab sieben Uhr überwachen Polizisten den Verkehr an der Ampel Alsterglacis/Kennedybrücke. Bis mittags filmen sie 17 Autos, die bei Rot fuhren. Einige hundert Meter weiter auf der Kennedybrücke winkt ein Polizist die Fahrer heraus. Doch obwohl das Verkehrsdelikt auf Band aufgezeichnet ist, streiten die meisten ihr Vergehen ab. "Ich bin sicher, es war noch gelb", ist die Standardausrede. "Die Fahrer sind sehr einfallsreich", erzählt eine Beamtin. "Ich bin so dicht hinter einem Laster gefahren, daß ich die rote Ampel nicht gesehen habe", oder "die Bremsen gingen so schwer" hat sie sich heute schon angehört. Manche versuchen, mit den Polizisten zu verhandeln, weil sie angeblich zum ersten Mal eine rote Ampel mißachtet haben.

Auch Fadi R. (23) scheint zunächst nicht zu verstehen, weshalb er angehalten wird. Der Student ist auf dem Weg zu einer Vorlesung, als ihn die Polizei herauswinkt. "Ich kann nicht sagen, ob die Ampel schon rot war, weil ich es nicht gesehen habe." Doch schließlich gibt er zu: "Im Radio lief gerade ein schönes Lied, vielleicht habe ich ein bißchen geträumt." Glück im Unglück: Die Ampel war erst eine halbe Sekunde rot, als Fadi R. fuhr. Er wird wohl mit einem Bußgeld von 50 Euro und drei Punkten im Verkehrsregister in Flensburg davonkommen. Ein Fahrverbot von einem Monat wird erst verhängt, wenn die Ampel schon länger als eine Sekunde rot war.


Artikel erschienen am 16.04.2009
Viktoria Unterreiner

Mehr zum Thema:
»

HOMEHAMBURG|SPORT|MEHR »

Impressum | Datenschutz