Rote, grüne und blaue Lichtblitze zucken durch den Raum, aus den Lautsprecherboxen dröhnt Musik. Ein Mann mit dunklem Lockenschopf spielt E-Gitarre und singt dazu. Er sieht aus wie Bob Dylan, er singt wie Bob Dylan - doch es ist Bob Zeidler - pardon, Robert Zeidler - Pastor an Hamburgs erster Jugendkirche.
Am Wochenende eröffneten er und sein Team, das sich aus Schülern, Studenten und Auszubildenden aus ganz Hamburg zusammensetzt, die umgestaltete Groß Flottbeker Bugenhagenkirche mit einem etwas anderen Gottesdienst. Zwar sprachen auch Bischöfin Maria Jepsen und Propst Arnd Schomerus bei der Veranstaltung, doch die Hauptrollen spielten die Jugendlichen - bei sketchartigen Aufführungen und fetzigen musikalischen Darbietungen, die dafür sorgten, dass im Publikum Füße wippten und Köpfe nickten. Knapp 300 Menschen aller Altersstufen waren gekommen - Kinder ebenso wie Großmütter, viele aus anderen Gemeinden. Patrick Leube und Laura Fuchs (beide 19) aus Schnelsen: "Eigentlich gehen wir nur zu besonderen Festtagen in die Kirche. Hierher werden wir sicher öfter kommen." Ihnen gefällt, dass das Programm von Jugendlichen für Jugendliche veranstaltet wird.
Ganz klar - die Jugendkirche ist ein missionarisches Projekt. "Mit Theater, Rock-Gottesdiensten, Ausstellungen und Schulkooperationen wollen wir junge Menschen aus ganz Hamburg anlocken", so Pastor Robert Zeidler. "Wir möchten ihnen zeigen, dass unsere Kirche keinem Klischee entspricht." Zehn Jahre lang hat der 42-Jährige in verschiedenen Gemeinden Jugendarbeit geleistet - jetzt freut er sich, endlich in einer Kirche zu Hause zu sein. "Deren Herz sind jedoch die Jugendlichen vom Organisationsteam", sagt er mit väterlichem Stolz. "Die sind ein wahrer Schatz."
Unter www.die-jugendkirche. de ist das Programm der Jugendkirche zu finden. Jugendgottesdienste werden regelmäßig sonntags um 18 Uhr veranstaltet.