Hamburg. Die von Mitgliedern der Jungen Union Hamburg angemeldete Volksinitiative "Gegen die Bevormundung im HVV - Für das Feierabendbier", mit der das seit dem 1. September in Bussen und Bahnen geltende Alkoholverbot gekippt werden soll, hat heftige Reaktionen ausgelöst. Zahlreiche Leserbriefe erreichten das Abendblatt, und Kritik an der Volksinitiative kam auch aus der Politik.

So ging der CDU-Landesvorsitzende Marcus Weinberg auf Distanz zur eigenen Nachwuchsorganisation: "Ich persönlich bin für das Alkoholverbot in Bussen und Bahnen und werbe dafür auch innerhalb der CDU." Allerdings gebe es in der Partei dazu noch keine Beschlusslage und sehr unterschiedliche Meinungen, so Weinberg weiter. Eine andere Position als die Junge Union hat auch CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich: "Die Einstellung der Bürger zu diesem Thema dürfte klar sein, nämlich eine eindeutige Mehrheit für das Alkoholverbot. Diese Regelung trägt zu mehr Sicherheit und Sauberkeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln bei und ist deshalb sinnvoll", sagte Dietrich Wersich. Die Volksinitiative werde er nicht unterstützen, aber es habe natürlich jeder das Recht, Unterschriften zu sammeln, so der CDU-Fraktionschef weiter.

Scharfe Kritik kam vom Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten Ingo Egloff: "Ich finde es unverantwortlich, dass Mitglieder der Jungen Union eine solche Initiative starten. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind keine Kneipe, deshalb ist das Alkoholverbot vor allem auch aus Sicherheitsaspekten eine sinnvolle Regelung."

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Carsten Ovens, Landesvorsitzender der Jungen Union, reagierte gelassen auf die Kritik: "Das großes Echo auf die Volksinitiative zeigt den Diskussionsbedarf." Ovens sagte weiter: "Ein Alkoholverbot kann nicht dringend benötigtes zusätzliches Sicherheitspersonal ersetzen. Dieser Aspekt sollte daher von Verkehrsunternehmen und der Politik aufgenommen werden, dafür wird sich die Junge Union einsetzen."

Das Abendblatt hatte gestern über die Volksinitiative berichtet, die das Alkoholverbot in Bussen und Bahnen kippen soll. Wenn bis zum 13. März 2012 mindestens 10 000 Unterschriften gesammelt werden - bislang haben mehr als 1000 Bürger unterschrieben -, könnte die Bürgerschaft prüfen, inwiefern sie dieses Thema wieder auf die Tagesordnung setzt. Wenn das Parlament nichts unternimmt, wollen die Initiatoren bis zu einem möglichen Volksentscheid gehen. Ein erfolgreicher Volksentscheid wäre für Bürgerschaft und Senat bindend. Die Bürger würden dann selbst über das Alkoholverbot abstimmen.

Beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) sieht man die Volksinitiative gelassen: "Wir haben vor der Einführung des Alkoholverbots die Bevölkerung befragt, und 86 Prozent haben sich für diese neue Regelung ausgesprochen." Deshalb werde es nun wohl kaum eine Mehrheit geben, die sich gegen das Alkoholverbot ausspreche.

Dass es in der Bevölkerung zahlreiche Befürworter des Alkoholverbots gibt, zeigten Reaktionen der Abendblatt-Leser: "Ich bin erschüttert über diese vollkommen egoistische Darstellung von jungen Leuten, die sehr polemisch nur eine Seite der Medaille betrachten", schrieb Leser Peter Meier. Wer ständig pendele, wisse, dass das eigentliche Problem nicht das "Feierabendbier" sei.

Es seien die ständig Angetrunkenen, die teilweise pöbeln oder mit dem Alkoholgeruch sowohl den Weg zur als auch von der Arbeit vermiesen, so Meier weiter.

Leser Hans-Günter Schmidt schreibt: "Dass sich die Jugendorganisationen mehrerer Parteien für die Aufhebung des Verbots aussprechen, erscheint mir reiner Populismus gegenüber Gleichaltrigen zu sein." Nicht nur die Junge Union hatte sich gegen das Alkoholverbot ausgesprochen, sondern auch die Jungen Liberalen und die Jusos. Es gibt auch Politiker aus den Reihen von CDU und GAL, die die Volksinitiative befürworten.

Das Alkoholverbot gilt seit dem 1. September, seit dem 1. Oktober werden 40 Euro Strafe fällig, wenn Alkohol in Bussen, Bahnen oder auf Stationen konsumiert wird. Bislang wurden 226 Alkoholsünder erwischt.