Hamburg. Einen kommunalen Dienst für Menschen in Krisensituationen wird Hamburg auch in dieser Wahlperiode nicht bekommen. Wie das Abendblatt berichtete, gibt es anders als in Berlin oder auch München in Hamburg keine öffentlich geförderten Rund-um-die-Uhr-Angebote, an die sich Menschen wenden können. Die SPD stellte 2009 unter dem schwarz-grünen Senat einen Antrag auf Einrichtung eines Krisendienstes nach Berliner Vorbild, der am Wochenende und nachts erreichbar sein und professionelle Sofort-Hilfe bei psychischen Krisen bieten soll. Der Antrag wurde damals abgelehnt. Aber auch unter dem neuen Senat wird es ein solches Angebot nicht geben.

"Wir haben uns entschieden, keine Paralleleinrichtungen aufzubauen", sagt Anja Domres von der SPD, die den Antrag damals mitgetragen hatte. Einen solchen Krisendienst einzurichten, koste zu viel Geld, sagt sie heute.

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"Integrierte Versorgung" heißt das vorhandene System, das seit vergangenem Jahr stark gewachsen ist - eine krankenkassenfinanzierte Alternative, die vom Senat unterstützt, aber nicht finanziell gefördert wird. In jedem Bezirk gibt es Ansprechpartner verschiedener Kassen und Träger, die zu Hause vorbeikommen oder Plätze in Krisenpensionen anbieten. Die integrierte Versorgung rechnet sich für die Kasse, da unnötige und teure stationäre Behandlungen vermieden werden.

Das Problem: Nicht alle Krankenkassen machen mit, und selbst bei den beteiligten Kassen müssen die Betroffenen bereits vorher für die Teilnahme ausgewählt worden sein. "Für Ersterkrankte bietet das keine Hilfe", sagt Renate Bublitz vom Landesverband Angehöriger psychisch Kranker. "Die integrierte Versorgung ist wichtig und funktioniert sehr gut. Aber einen Krisendienst, der für alle immer erreichbar ist, ersetzt sie nicht." Sie erinnert an den Fall eines psychisch Kranken, der in Hamburg vor wenigen Jahren von der Polizei erschossen wurde. "In akuten Fällen kann man hier nur den Notarzt oder die Polizei rufen - und die sind dafür nicht ausgebildet."