
Grün für Gymnasien, gelb für Privatschulen, rot für "Hotspots", gemeint sind Marktplätze oder Einkaufszentren: Im Büro der Gegner der Schulreform hängt eine Hamburg-Karte, auf der mit farbigen Punkten geplante Einsatzorte markiert sind. Es sind viele Punkte, nicht nur in wohlhabenden Gegenden, sondern über das gesamte Stadtgebiet verteilt. 1900 Helfer sollen laut Initiative "Wir wollen lernen!" ab heute Unterschriften sammeln. 61.832 gültige Unterstützer in 20 Tagen, das ist Bedingung für einen angepeilten Volksentscheid, um die bereits beschlossene Reform zu stoppen - wofür dann allerdings rund 250.000 Stimmen vorausgesetzt werden.
Nur 100 Meter vom Mönckebrunnen, in bester City-Lage an der Lilienstraße, haben die Schulreform-Gegner ihr Hauptquartier eröffnet. Büroleiter Frank Solms Nebelung gibt sich bescheiden: "So viele Unterschriften sind für uns keine Selbstverständlichkeit, wir müssen alles geben". Und fügt hinzu: "Die Stimmung in der Stadt ist gespalten. Wir wollen, dass die Menschen wirklich eine Wahl haben, dafür brauchen wir den Volksentscheid." Zufall oder nicht: Frank Solms Nebelung ist eigentlich Inhaber einer "Gesellschaft für Krisen- und Veränderungskommunikation", beteuert jedoch, aus privater Überzeugung gegen die schwarz-grüne Reform zu sein. "Drei Säulen, die Empfehlung der Enquetekommission, das wäre das richtige Modell", sagt der Büroleiter.
Dass die Stadt in dieser Frage gespalten ist, scheint offensichtlich. Unklar sind jedoch die Mehrheitsverhältnisse. Nach Ansicht von GAL-Fraktionschef Jens Kerstan sei es eine "kleine Gruppe, die diese Reform aus ideologischen Gründen ablehnt". Damit müsse man leben, man werde die Sorgen der Eltern jedoch "sehr ernst nehmen". Linke-Fraktionschefin Dora Heyenn sagte, jede Unterschrift sei eine zu viel: "Es wird das Volksbegehren Reich gegen Arm. Da hilft es nichts, wenn verkündet wird, es sei grundsätzlich richtig, die Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen und Freiraum für längeres gemeinsames Lernen zu schaffen."
Auch die zukünftigen Lehrer befürworten die maßgeblich von Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) vorangetriebene Reform als "Schritt in die richtige Richtung", wie der Fachschaftsrat der Erziehungswissenschaften an der Uni Hamburg mitteilte. Dessen Kritik fiel ungewöhnlich heftig aus: "Mit einer kalkulierten Mischung aus Panikmache und haltlosen Behauptungen betreiben die Initiatoren billige Propaganda, um ihr soziales Bildungsprivileg in Form des Heiligtums Gymnasium zu retten", hieß es. Die Jugendorganisation der Bildungsgewerkschaft GEW ruft für heute, 17 Uhr, am Mönckebrunnen zu einer Versammlung gegen "Wir wollen lernen!" auf.
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