Hannover. Sie will es jetzt wissen. Mit einer intensiven juristischen und publizistischen Kampagne in eigener Sache kämpft die frühere First Lady Bettina Wulff um ihren Ruf und gegen demütigende und zerstörerische Gerüchte über ihr angebliches privates Vorleben. Mehr als 30 Unterlassungserklärungen hat sie nach Angaben ihres Anwalts schon erwirkt. Bereits in dieser Woche erscheint voraussichtlich ihr autobiografisches Buch "Jenseits des Protokolls", in dem sie alle Gerüchte über ihre angebliche Zugehörigkeit zum Rotlichtmilieu als absurd, unerhört und unerträglich zurückweisen wird.

Das soll das Ende einer üblen Rufmordkampagne sein. Das Ende der dramatischen Geschichte um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff wird es allerdings nicht sein.

Schon gibt es neue Gerüchte. Wulffs Partei, die CDU, so hieß es am Wochenende in "Bild am Sonntag" und der "Süddeutschen Zeitung", sei der Quell der Rufmordkampagne gegen Bettina Wulff. Vor ein paar Jahren, als Wulff noch Ministerpräsident war, soll die Geschichte losgetreten worden sein. Ziel der Tratscherei: Parteifreunde wollten ihrem Ehemann Schaden zufügen. Belege für diese Behauptung gibt es bisher nicht. Die Opposition in Hannover und Berlin stürzt sich natürlich mit Wonne auf derlei, ja, man muss es wohl vorläufige "Gerüchte" nennen.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, ein Niedersachse, forderte Ministerpräsident und CDU-Chef David McAllister genüsslich auf, den Gerüchten rings um den Rufmord und die Christdemokraten doch bitte mal nachzugehen. Es ist Wahlkampf in Niedersachsen, am 20. Januar geht es um die Macht im Land. Da kommt eine solche Geschichte manchen recht. Bettina Wulff erhebt nach Informationen der "Welt" in ihrem Buch keine entsprechenden Vorwürfe gegen die Union.

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Es waren vor allem mehr oder weniger laienhaft betriebene Websites, die in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder Geschichten über eine Escort-Lady, also Prostituierte, verbreitet haben, die unter dem Namen "Viktoria" in diversen Rotlichtschuppen gesichtet worden sein soll und bei der es sich um Bettina Wulff gehandelt habe. Wenn man sich die mitgelieferten Fotos und Texte anschaut, findet man nicht einen Beleg dafür. Wer bei Google den Namen Bettina Wulff eingibt, wird sofort mit den einschlägigen Begriffen versorgt, was nach Angaben von Google-Deutschland-Sprecher Kay Oberbeck ausschließlich Beleg dafür sei, welche Begriffe die User mit dem Namen der früheren First Lady so verbinden.

Bettina Wulff, das hat ihr Anwalt bestätigt, wird wegen dieser automatisierten Verknüpfung vor dem Landgericht Hamburg gegen Google klagen. Ziel ist, dass die einschlägigen, mit dem Rotlicht assoziierten Begriffe nicht mehr auf den Computern dieser Welt erscheinen dürfen. Oberbeck lehnt einen solchen Eingriff ab. Er verweist darauf, dass das Unternehmen Google bereits fünf gleichartige Prozesse in Deutschland gewonnen habe.

Entgegenkommender als Google zeigt sich Günther Jauch. Deutschlands beliebtester Talkmaster ließ seinen Anwalt ankündigen, dass er das Thema Rotlicht künftig nicht mehr im Zusammenhang mit Bettina Wulff ansprechen werde. Jauch hatte die Gerüchte im Dezember vergangenen Jahres in seiner Sendung aus einer Zeitung vorgelesen und seinen Talkgast Nikolaus Blome von der "Bild"-Zeitung gefragt, ob das Blatt noch eine Geschichte über das Vorleben Bettina Wulffs in der Schublade hätte. Blome wies das scharf zurück: "Kompletter Quatsch."

"Bild" hatte wie andere Zeitungen nach dem Auftauchen der Gerüchte mit der Recherche des Vorlebens begonnen - aber keine Belege gefunden. Im Internet wurde das Nichterscheinen einer entsprechenden Story mit den üblichen Verschwörungstheorien umrankt, nach denen dieses Eisen den professionellen Medien zu heiß sei. Was ebenfalls kompletter Quatsch ist: Es gab schlicht keinen konkreten Anhaltspunkt für den Wahrheitsgehalt der Gerüchte.

Für deren Verbreitung war das allerdings unerheblich. Spätestens seit Christian Wulff Anfang Juni 2010 für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen worden war, fing es erst so richtig an zu dampfen. Kaum ein Stammtisch, kaum ein Friseurladen, kaum eine Redaktion, in dem die Spekulationen nicht herzlich willkommen geheißen wurden. Das Publizieren dieser heißen Geschichte überließ man allerdings dem Internet.

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Die Wulffs haben immer wieder überlegt, ob und wie man diesen frei erfundenen Geschichten entgegentreten könnte. Das Paar entschied sich, sie zu ignorieren, weil es fürchtete, dass die einer Veröffentlichung zwangsläufig folgende Debatte sowohl dem Amt des Bundespräsidenten als auch ihm Schaden zufügen würde. Also nahm man den Rufmord lange Zeit stillschweigend hin.

Erst in seinem Rechtfertigungsinterview in ARD und ZDF, bei dem es um seinen Hauskredit und Gratisurlaube ging, streifte Wulff die Gerüchte, die sich um seine Frau rankten. Auch das langte offenbar nicht. Bis heute zählen die entsprechenden Internetbeiträge zu den meistgeklickten Links von Internetseiten wie "Rentner-News" oder "Gehirnfuerze.blogspot". Am Wochenende fragte die "Main-Post": "War Bettina Wulff eine Prostituierte?" Auch ein Weg, sich bei Google in den Trefferlisten nach oben zu kämpfen.

Dass die Antwort auf die Frage ein Nein ist, wird Bettina Wulff der Öffentlichkeit auch persönlich mitteilen. In ihrem Buch wird sie das Thema offensiv angehen und beschreiben, wie es ihr selbst, wie es aber auch ihrer Familie ergangen ist, als sie mit den Gerüchten konfrontiert wurde. Und noch etwas wird man nachlesen: Was sie in Wahrheit vor ihrer Ehe mit Christian Wulff gemacht hat. Spektakuläres, davon darf man ausgehen, ist nicht dabei.