
Jahrzehntelang durften Radfahrer in Siek entlang der 1,4 Kilometer langen Hauptstraße auf dem kombinierten Geh- und Radweg fahren. Doch seitdem der neue Mini-Kreisverkehr am Edeka-Supermarkt Ende Oktober fertiggestellt wurde, ist damit Schluss. Nur Kindern bis zehn Jahren ist es jetzt noch erlaubt, den Gehweg zu nutzen. Alle anderen Radfahrer müssen auf die Fahrbahn ausweichen und damit auch durch den neuen Kreisverkehr fahren, der die Hauptstraße mit den Straßen Jakobsrade und Bültbek verbindet.
Bürgermeister Arnold Trenner (SPD) hat bereits die blauen Straßenschilder austauschen und am Ende des Gehwegs in Richtung Ahrensburg und Großhansdorf rot-weiße Gitter aufstellen lassen. Die Barrieren sollen Radfahrer fernhalten - bisher jedoch ohne Erfolg. Denn viele Sieker denken gar nicht daran, das Verbot zu befolgen. Bei ihnen hat die neue Regelung Unverständnis und Empörung ausgelöst. "Der Kreisel ist doch kein Grund, uns vom Radweg zu schubsen", sagt Hannelore Schier, die mehrmals pro Woche die Strecke nutzt, um mit dem Rad nach Ahrensburg oder Großhansdorf zu fahren. Sie sagt: "40 Jahre lang durften wir den kombinierten Geh- und Radweg mit den Fußgängern zusammen nutzen und es gab nie Probleme." Denn er sei breit genug, um die Spaziergänger mit dem Fahrrad zu überholen.
Die 69-Jährige fährt deshalb trotz neuer Verkehrsregelung weiter auf dem Gehweg, so wie die meisten anderen Radfahrer auch. "Auf der Straße ist es viel zu gefährlich", sagt sie. "Dort fühle ich mich bedrängt und überhaupt nicht sicher." Ein Grund dafür seien die Verkehrsinseln, die vor einigen Jahren in der Mitte der Hauptstraße errichtet wurden. Sie sollen Autofahrer dazu animieren, langsamer zu fahren. Schier: "Sie führen aber auch dazu, dass die Fahrbahn sehr eng geworden ist." Insbesondere für Busse und Lastwagen sei es schwierig, die Radfahrer auf der Straße mit ausreichend Sicherheitsabstand zu überholen.
Hannelore Schier fordert deshalb, dass der Gehweg wieder für Radfahrer freigegeben wird und dass sich die Verwaltung eine neue Regelung für den Kreisverkehr überlegt. "Vielleicht mithilfe von Markierungen", sagt sie. 230 Unterschriften hat sie mit ihrer Freundin Ortrud Knoff bereits von Sieker Bürgern gesammelt, die ihr Anliegen unterstützen. Die Liste haben die beiden Frauen inzwischen an den Bürgermeister übergeben. Zahlreiche Eltern hätten unterschrieben, sagt Schier. Denn die Hauptstraße wird von vielen Sieker Kindern und Jugendlichen als Schulweg nach Großhansdorf genutzt. Schier: "Meine Kinder sind zum Glück schon etwas älter. Aber wenn sie noch jung wären, würde ich ihnen nicht erlauben, die Strecke auf der Fahrbahn zurückzulegen."
Bürgermeister Arnold Trenner hat die Unterschriftenliste an die Verkehrsaufsicht des Kreises in Bad Oldesloe weitergeleitet. Es sei nicht die Entscheidung der Gemeinde gewesen, den kombinierten Geh- und Radweg aufzuheben, sagt er: "Wir wurden von der Verkehrsaufsicht dazu aufgefordert." Die Begründung sei gewesen, dass der kombinierte Weg zu schmal für Fußgänger und Radfahrer sei. Zudem seien Radfahrer auf der Straße sicherer aufgehoben, da sie beim Abbiegen nicht mehr so leicht von heranfahrenden Fahrzeugen übersehen werden könnten. "Ich muss da der Verkehrsaufsicht glauben", sagt der Bürgermeister. "Es liegt auch nicht in meiner Macht, etwas zu ändern." Die Entscheidung darüber treffe die Verkehrsaufsicht.
156 000 Euro hat der Bau des neuen Mini-Kreisverkehrs gekostet. Er ist so angelegt, dass er von Bussen und Lastwagen überfahren werden kann, damit sie die Kreuzung problemlos passieren können. 70 Prozent Zuschuss gab es vom Land. Hinzu kamen weitere Ausgaben in Höhe von 20 000 Euro für die Planung, die die Gemeinde allein tragen musste.
Auslöser für den Bau des Kreisels war die veränderte Verkehrsführung um Siek gewesen. Seit es die Umgehungsstraße gibt, fahren die Autofahrer nicht mehr über die Hauptstraße nach Siek hinein, sondern biegen von der Straße Jakobsrade kommend links in die Hauptstraße ein. Bis zum Bau des Kreisverkehrs gab es an dieser Stelle eine abknickende Vorfahrt mit einem Zebrastreifen. Die Verkehrsaufsicht hatte das Amt Siek im April 2010 jedoch aufgefordert, den Zebrastreifen zu entfernen. Auch damals war mit der Verkehrssicherheit argumentiert worden.
Hannelore Schier wartet nun auf eine Rückmeldung der Verkehrsaufsicht. Sie sagt: "Ich hoffe, dass die Unterschriftenliste die Verantwortlichen dazu anregt, das Ganze noch einmal zu überdenken und nach Alternativen zu suchen."